Farbgebung

Heute unterscheidet der "Blaue Enzian" sich mit seiner Farbgebung natürlich von allen anderen Straßenbahnen Krefelds. Aber war das schon immer so?

Die Antwort lautet nein! Denn der heutige Anstrich dürfte der Originalfarbgebung aller 46 Triebwagen aus den Lieferungen 1900 und 1901 entsprechen. Ob die Farbgebung bei der Restaurierung in den 1970-er Jahren ganz genau geglückt ist, lässt sich jetzt nicht mehr mit Sicherheit feststellen, da es ja noch keine Farbfotografien gab, und vor allem gab es noch keine eindeutigen Farbbezeichnungen, wie die RAL-Farbnummern ("Reichsausschuss für Lieferbedingungen"), die erst 1925 eingeführt wurden.

Indizien
Es gibt aber ein Indiz dafür, dass die Farben in etwa getroffen wurden, das gleichzeitig eine nette Anekdote zum "Blauen Enzian" ist: Der Hersteller unseres Triebwagens, Carl Weyer & Cie. in Düsseldorf, baute damals auch eine große Anzahl Bahnen für die niederländische Stadt Amsterdam. Farbvergleich Amsterdam (links) und Crefeld (rechts)Und die hatte ihre Wagen in blauen Farbtönen bestellt. Die Fahrzeuge für Crefeld in den gleichen Farben lackieren zu lassen, soll für die "Crefelder Strassenbahn" eine erhebliche Kosteneinsparung bedeutet haben – also machte man das einfach so! Ein aktueller Vergleich unseres "Blauen Enzians" mit in Amsterdam ebenfalls noch erhaltenen Bahnen zeigt, dass sich heute die Farben zwar unterscheiden, völlig falsch sind sie aber trotzdem nicht unbedingt. Links im Bild zu sehen ist der TW 401 von der Museumsbahn Electrische Museumtramlijn Amsterdam (ein Link dorthin findet sich in unserer Linkliste). Ganz klar ist, dass der "Blaue Enzian" in einem helleren Blau und einem anderen Ton lackiert ist, als der Wagen aus den Niederlanden. Ein genauer Vergleich ist mit einfachen Fotos aber nicht möglich, da zum einen Kameras mit exakter Farbkalibrierung verwendet werden müssten (das war nicht der Fall), zum anderen herrschten völlig unterschiedliche Lichtverhältnisse, als die Aufnahmen gemacht wurden. Außerdem stellt sich die Frage, in wie weit nach so langer Zeit die Farben des Amsterdamer Wagens noch dem Original entsprechen. Fest steht aber, dass der TW 93 mit seinen Farben heute natürlich im Krefelder Wagenpark ein Exot ist, weshalb der Spitzname durchaus seine besondere Bedeutung unterstreicht.

80 Jahre später gleich noch mal
1980 wiederholte sich die Geschichte übrigens noch einmal: Als die Krefelder Verkehrs-AG (KREVAG) bei der DUEWAG ihre M8C-Wagen bestellt hatte, wollte man vom damals üblichen "ÖPNV-beige" weg. Das Design der M-Wagen für Mülheim a.d.R. – dunkles, kräftiges Gelb mit anthrazitfarbenen Fensterbändern, ebensolchem Dach, weißen und anthrazitfarbenen Bändern im unteren Wagenbereich, mit schwarzen Streifen abgesetzt, sowie ein weißes Band im Dachbereich – gefiel den Verantwortlichen in Krefeld sehr und konnte (mit etwas Phantasie) als die Krefelder Stadtfarben interpretiert werden. Nachdem man in Mülheim einverstanden war, wurden die 20 M8C für die KREVAG exakt wie die Mülheimer Wagen gestaltet. Danach erhielten bei fälligen Neulackierungen auch alle anderen Bahnen und Busse sowie neue Busse der KREVAG diesen Anstrich. Mittlerweile ist aber auch diese Farbgebung Geschichte und der Triebwagen 626 das letzte Fahrzeug in diesen Farben.