Meilenstein: Die erste elektrische Bahn der Welt

Die erste elektrische Bahn der Welt©Siemens Corporate Archives

1879: Die erste E-Lok
Dieses Bild kennt wohl jeder, der sich für Schienenfahrzeuge interessiert. Es entstand 1879 auf der Berliner Gewerbeausstellung und zeigt einen der Meilensteine auf dem Gebiet des Schienenverkehrs: die weltweit erste Lokomotive mit elektrischem Antrieb. Die Bahn war der Publikumsmagnet der Ausstellung und beförderte mit ihren drei angehängten Wagen auf der 300 Meter langen Rundstrecke in den 4 Monaten der Ausstellung 90.000 Fahrgäste. Erfinder der Bahn war Werner v. Siemens, Hersteller Siemens & Halske.
Im Grunde handelte es sich um eine Notlösung, die Bahn in Berlin zu zeigen, denn eigentlich war sie für den Senftenberger Kohlebau als Grubenbahn bestimmt gewesen, wurde von diesem aber nicht abgenommen. Aus dieser Not machte Werner v. Siemens eine Tugend, indem er die Bahn nun der Öffentlichkeit präsentierte und so für eine Sensation sorgte.

Wirklich die erste E-Lok der Welt?
Nein, bei der Lokomotive von Siemens handelt es sich nicht wirklich um die erste Lok mit Elektroantrieb. Genauer müsste es eigentlich heißen: die erste funktionstüchtige Lokomotive mit elektrischem Antrieb und "Fremdstromversorgung". Denn Lokomotiven mit Elektroantrieb hatte es bereits vorher gegeben. Diese führten die elektrische Energie aber in Form von Akkumulatoren mit sich, was ihre Leistung und Reichweite drastisch einschränkte, während sich das Fahrzeuggewicht (und damit wiederum der Stromverbrauch) erheblich erhöhte. Dass dies nicht zum Erfolg führen konnte wird schnell klar, wenn man bedenkt, dass es bis heute keine für diesen Zweck wirklich zu 100 Prozent brauchbare Akkus gibt.
Werner v. Siemens hingegen versorgte seine Lok von außen mit Gleichstrom mit einer Spannung von 150 Volt über eine zwischen dem Gleis verlegten Stromschiene. Die Rückleitung erfolgte über die beiden äußeren Fahrschienen.

Der Elektromotor – eine bedeutsame Zufallsentdeckung?
Auch die Motoren waren bis dahin noch in keiner Weise praxistauglich gewesen. So gab es beispielsweise Ausführungen, die sich an der Wirkungsweise von Dampfmaschinen orientierten, indem eine Stange von zwei Elektromagneten hin und her bewegt wurde. Diese Bewegung wurde anschließend mit einer Kolbenstange, die auf ein Rad wirkte, in eine Drehbewegung umgewandelt.
Als Motor seiner Lok verwendete Werner v. Siemens eine gewöhnliche Dynamomaschine, ein weiterer bahnbrechender Meilenstein der Technikgeschichte, der ebenfalls auf einer Erfindung basierte, die Werner v. Siemens bereits früher gemacht hatte.
Dynamos dienen eigentlich der "Stromerzeugung" – oder genauer: der Umwandlung mechanischer Energie in elektrischen Strom. Dabei wird üblicherweise eine Drehbewegung in Elektrizität verwandelt. Dass das mit der gleichen Maschine auch umgekehrt möglich ist, soll zufällig entdeckt worden sein: Bei der Gramme-Gesellschaft in Paris sollten zwei für Beleuchtungszwecke vorgesehene Dynamomaschinen zur Leistungssteigerung parallel geschaltet werden. Als die dazu notwendige elektrische Verbindung zwischen den beiden Maschinen hergestellt worden war, während die eine angetrieben wurde, die andere aber noch nicht, stellte man verwundert fest, dass sich nun auch die zweite, nicht angetriebene Maschine zu drehen begann. So soll entdeckt worden sein, dass sich elektrischer Strom zur Kraftübertragung eignet, dass sich damit also die an einer Stelle erzeugte mechanische Energie elektrisch transportieren und an anderer Stelle wieder in mechanische Energie zurückverwandeln lässt.

Der "3-pferdige" Motor
Ob nun auf Zufall basierend oder nicht: Der Motor der Siemens-Lok hatte eine Leistung von 2,2 kW (was rund 3 PS entsprach. Im damaligen Sprachgebrauch wurde ein solcher Motor auch als "3-pferdig" bezeichnet). Alleine schaffte die Lokomotive ein Tempo von 13 km/h, mit den drei Waggons und 18 Fahrgästen immerhin noch 7 km/h.

Die Kraftstation
Da es ja noch keine Stromnetze gab, als Werner v. Siemens seine elektrisch angetriebene Bahn auf der Gewerbeausstellung präsentierte, wurde die für die Bahn benötigte elektrische Energie von einer sogenannten "Kraftstation" geliefert. Auch in dieser gab es eine Dynamomaschine, die von einer Dampfmaschine angetrieben wurde.

Meilensteine
Es war ein langer Weg, der zurückgelegt werden musste und der von zahlreichen Meilensteinen markiert wurde, bis am Ende das Verkehrsmittel elektrische Straßenbahn erschaffen worden war. Deshalb sollen diese Meilensteine und ihre Erfinder hier auch etwas genauer vorgestellt werden.

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